Argumente für die Jagd

Liebe JungjägerInnen!

In dieser Ausgabe möchte ich mich aus gegebenem Anlass mit einem ganz wichtigen Thema auseinandersetzen. Die Jägerschaft ist immer mehr mit negativer Stimmungsmache in sozialen Medien und zunehmender Einschüchterung von Jagdgegnern besonders bei Gesellschaftsjagden konfrontiert. Das Unwissen der Nichtjäger bezüglich der Jagd und den Wildtieren nimmt leider auch zu.

Deshalb möchte ich mich in diesem Artikel dem Dialog der Jägerschaft mit der nicht jagenden Bevölkerung widmen, denn nur diese Gruppe können wir weiterhin für uns gewinnen und überzeugen. Klar davon abgrenzen muss man sektenähnliche Tierrechtsfanatiker, die beratungsresistent sind.

Für das Image der Jagd ist eine emotionslose, faktenorientierte Diskussion wichtig. Mir ist aufgefallen, dass viele Jäger im Gespräch mit der nicht jagenden Bevölkerung auf zu wenig Hard Facts zurückgreifen können. Wir brauchen uns aber nicht zu verstecken. Umfragen bestätigen, dass rund 70 Prozent der Bevölkerung der Jagd aufgeschlossen und positiv gegenüberstehen. Es gibt viele Argumente für die Jagd, daher habe ich versucht, einen Merkzettel zu erstellen. Den könnt Ihr Euch ausschneiden und aufheben, am besten zur Jagdkarte stecken, dann ist er immer dabei! Jedenfalls sollte man sich einige Argumente verinnerlichen, um bei der nächsten Diskussion sachlich kontern zu können.

ARGUMENT ERNÄHRUNG

Zirka 10 Prozent der Österreicher leben vegetarisch oder vegan [1]. Umgekehrt heißt das: 90 Prozent tun dies eben nicht! Runter gebrochen auf die Gesamtbevölkerung bedeutet dies, dass jeder Österreicher pro Jahr um die 65 Kilogramm Fleisch isst. Der Wildfleischanteil davon ist mit 0,7 Prozent minimal. Wildbret ist das wesentlich gesündere und nachhaltigere Fleischlebensmittel. Wildbret kommt ohne Massentierhaltung, ohne Einsatz von Antibiotika und ohne Gammelfleischskandale aus! Die entnommenen Stücke führen ein stressfreies Leben ohne Bewegungseinschränkungen mit gesunder Äsung.

ARGUMENT NATUR-UND ARTENSCHUTZ

Die Jagd ist aufgrund der zu erhaltenden Biodiversität ein Muss. Die Naturlandschaft, wie unsere Vor-Vorfahren sie kannten, hat der Mensch schon längst durch diverse Eingriffe (sei es durch die Industrialisierung, ausgedehnte Freizeitbeschäftigung in der „Natur“, Tourismus, etc.) eingeschränkt und zur Kulturlandschaft gemacht. Viele Wildarten könnten ohne Hegemaßnahmen der Jägerschaft nicht überleben – Verlierer dieser Kulturlandschaften wie der Hase und das Rebhuhn wären bereits abhanden gekommen. Das Prädatorenverhältnis hat sich ebenso stark verändert! Bei Strecken in den 90er Jahren kamen auf 200 Hasen 1 Fuchs, heute haben wir ein Verhältnis von 20:1! Nicht heimische, teils von Tierrechtsaktivisten freigelassene Wildarten wie Waschbär und der amerikanische Nerz setzten unserem Niederwild ebenso massiv zu!

ARGUMENT HEGE

Erlegen von Wild ist für Vollblutjäger nur ein Nebenschauplatz. Viele Nichtjäger wissen in diesem Zusammenhang nicht, dass die meisten Abschüsse sogar behördlich vorgegeben sind. Bei Nichterfüllung folgt Strafzahlung! Wir ballern nicht einfach darauf los. Das Gros seiner jagdlichen Freizeit opfert der Jäger nämlich für Hegemaßnahmen. Der Dialog mit der Landwirtschaft in Bezug auf Kitzrettungen vor der Mahd, Warnreflektoren zur Absicherung der Straßen, Erhaltung eines artenreichen und gesunden Wildbestandes, er schafft Nist- und Brutplätze und geschützte Bereiche für Wildruhezonen. Darüber hinaus haftet die Jägerschaft für Wildschäden. Wer würde der Land- und Forstwirtschaft diese Schäden ersetzen? Der Steuerzahler wohl kaum.

ARGUMENT KRANKHEITEN UND SEUCHENPRÄVENTION

Jagd schützt auch vor gefährlichen Krankheiten. Noch immer gibt es Krankheiten, die von Wildtieren auf den Menschen und seine Haus- und Nutztiere übertragbar sind. Fuchsbandwurm, Tollwut, Aujeszkysche Krankheit, Räude, Vogelgrippe – Die Jagd dämmt hier ein und setzt präventiv Maßnahmen!

ARGUMENT „NATURNUTZER“

Ebenso ein essentieller Punkt ist es, der nichtjagenden Bevölkerung klar zu machen wie sehr sie – oftmals nicht wissentlich –  in das Leben unserer Wildtiere eingreifen. Natur bedeutet für viele Freiheit. Diese Freiheit sollte jedoch dort enden, wo sie unsere Tier- und Pflanzenwelt massiv einschränkt. So wird durch die enorme Zunahme an oft städtischen „Naturnutzern“ der Lebensraum und auch der Bewegungsradius unserer Wildtiere enorm eingeschränkt.

Beispiele:

  • Geocaching – bei dieser Freizeitbeschäftigung werden an einem interessanten, meist abgelegenen Ort in der Kulturlandschaft Boxen mit Tauschgegenständen und einem Logbuch versteckt und die GPS-Koordinaten werden im Internet veröffentlicht. Mittels der Koordinaten kann nun jeder die Box suchen, einen Gegenstand tauschen, sich ins Logbuch eintragen und so auch zum Geocacher werden. Alleine in Niederösterreich wurden die letzten Jahre diese Verstecke monatlich 30.000-50.000 Mal aufgesucht!!! Wo soll unser Wild noch Ruhezonen haben dürfen?! (Zahlen von geocache.at)
  • Endlose Pistenkilometer, die nicht nur den Lebensraum von zum Beispiel Raufußhühnern zerstören, sondern auch Winterruhe oder Schlaf haltende Tiere. Gerade allen bekannte Tierrechtler wedeln im Winter abseits Tiefschneehänge hinunter und lassen sich dabei vom Hund begleiten…
  • Beunruhigung von Einständen, besonders während der Setzzeit, durch Mountainbiker – leider gibt es hier Initiativen wie die der Naturfreunde, die allen Ernstes für Mountainbiker auf Forststraßen eintreten.
  • Alle Jahre wieder erschüttern uns Anblicke gerissener beschlagener Gaißen oder gerissener Kitze durch nicht angeleinte Hunde, oder auch wenn Kitze durch den Geruch von allzu „tierliebenden“ Menschen nicht mehr angenommen werden und qualvoll verenden.

ARGUMENT WIRTSCHAFTSFAKTOR

Es muss auch der volkswirtschaftliche Faktor „Jagd in Österreich“ beleuchtet werden. Jagd bedeutet auch volkswirtschaftliche Wertschöpfung. Und das nicht zu gering! So können pro Jahr um die 470 Millionen Euro auf die Jagd zurückgeführt werden. Eine Aufstellung von jagdfakten.at schlüsselt einzelne Faktoren wie folgt auf:

  • Rund 198 Millionen Euro fallen für die Löhne und Gehälter der zahllosen Beschäftigten im Jagdwesen sowie der Berufsjäger und der Jagdaufsichtsorgane an.
  • 54 Millionen Euro werden für jährliche Jagdpachten und die Abschussgebühren (diese Beträge verbleiben zu einem hohen Anteil den Landwirten und Grundeigentümern und bilden für sie in schwierigen Zeiten ein wichtiges – weil vorhersehbares – Einkommen) fällig.
  • Rund 29 Millionen Euro werden jährlich für den Ankauf von Wildbret ausgegeben.
  • Geschätzte 168 Millionen Euro werden für Jagdbetrieb, Weiterbildung, Jagdwaffen und Munition, Optik, Bekleidung und Brauchtum ausgegeben.
  • 26 Millionen Euro ergeben sich aus der Summe aller Abgaben, Gebühren und Versicherungsprämien, die jährlich im Zuge der Jagd entstehen bzw. abgeführt werden (in diesen Topf fallen auch die Forschungsförderung durch die Jägerschaft sowie wichtige Projekte, die Jagdgesellschaften verwirklichen).

Wir müssen die Chance nutzen und mehr Dialog betreiben. Wir müssen aufklären und versuchen, Menschen zu überzeugen! Auch müssen wir als Jäger gelegentlich vor unserer eigenen Haustüre kehren, veraltete Praktiken aufzeigen und vielleicht auch zugestehen, dass nicht alles was Recht ist auch waidgerecht ist.

Steckt Unwissende mit Eurer Leidenschaft an, nur so haben wir eine Chance zu bestehen!

Waidmannsheil,

Eure Theresa Zwettler

[1] IFS-Erhebung 2013 – News.at – Fleischlose Ernährung – Wie gesund leben Vegetarier und Veganer wirklich?

Dieser Artikel ist in der Juli-Ausgabe des Magazins “Die Jägerin” 2017 auf der Jungjägerseite erschienen.

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